8. August 2019

17. Bundesjugendlager in Rudolstadt/Thüringen

Wie bundesweit ca. 5000 andere THWler (jung und alt) auch, so freuen sich heute auch die 30 Teilnehmer der THW-Jugend Kirchheim unter Teck darauf, endlich aufzusitzen auf die Fahrzeuge und abzureisen zum 17. Bundesjugendlager in Rudolstadt in Thüringen.

Schon in dem Tagen vor der Abreise herrscht emsiges Treiben auf dem kleinen Hof beim THW Ortsverband Kirchheim unter Teck. Nicht nur das Reisegepäck der Teilnehmer muss auf den MzKW gepackt werden, auch Zelte, Feldbetten, Tische, Verpflegung und weitere Ausrüstung sollen auf der Ladefläche des LKWs untergebracht werden. Schließlich ist alles pünktlich zur Abreise des Voraustrupps am Samstagmorgen um 6:00Uhr geschafft, das ganze Gepäck ist sicher auf der Ladefläche verstaut und die 6 Freiwilligen des Vorauskommandos können die Fahrt nach Rudolstadt antreten. Doch schon am Autobahnkreuz Stuttgart heißt es zuerst einmal Unfallabsicherung eines PKW. Ist dieser doch auf der nassen Fahrbahn ins Schleudern geraden und steht nun nach einem Rendez-vous mit der Leitplanke quer auf der A8.

Währenddessen ist auf dem Hof im Ortsverband weiterhin viel los. Alle weiteren Teilnehmer sind nun da und beim „boarding“ auf die Fahrzeuge gilt es so extrem „wichtige“ Fragen wie die Playlist (Rammstein oder Helene Fischer?) für die Fahrt nach Rudolstadt und die jedem passende Sitzplatzverteilung zu klären. Doch schneller als gedacht kann es dann auch für die restlichen vier bis unters Dach mit Gepäck und Teilnehmern beladenen THW-Fahrzeuge losgehen.

Das Chaos nimmt seinen Lauf

Kurz nach der geschickten Stauumfahrung bei Würzburg erreicht die gut gelaunten Junghelfer die erste Katastrophenmeldung: „Der MzKW steht seit 13 Uhr am Meldekopf und die Lagerleitung verweigert die Einfahrt auf das Lagergelände weil noch 4 Fahrzeuge aus dem Verband Kirchheim fehlen.“ Die machen zwar gute Fahrt, werden aber kurz nach 14:00 Uhr in der Pufferzone festgesetzt. Ab jetzt geht nichts mehr bis endlich um 17:30 Uhr der Anreiseplan der Lagerleitung  verworfen wird. Nach einem weiteren Hindernis am Meldekopf können die Teilnehmer aus Kirchheim unter Teck endlich um 18:00 Uhr auch ihre Zelte auf dem Lagerplatz aufschlagen.

Das Bundesjugendlager beginnt

Trotz der milde gesagt etwas erschwerten Anreise und der verpassten Eröffnungsveranstaltung versöhnt die Junghelfer das leckere Abendessen „Schnitzel mit Gemüse und Kartoffeln(!)“ mit dem Bundesjugendlager, auch wenn die für schwäbische Zungen erforderliche ausreichende Soßenmenge zum Schnitzel an der Essensausgabe erst erklärt werden muss.

Am Sonntag geht es dann nach dem Frühstück so richtig los. Schnell sind die letzten Arbeiten an den Zelten erledigt und der Schlachtplan für den Tag steht fest. Auch wenn die meisten bei fast 38°C den Tag lieber im kühlen Schatten verbringen zieht es dann doch den einen oder anderen Schlachtenbummler zum Bundesjugendwettkampf, um die Mannschaft aus Leonberg für Baden-Württemberg tatkräftig anzufeuern.

Bei etwas abklingender Mittagshitze gibt es dazu noch ein erfrischendes Bad in der nahegelegenen Saale. Was wir sonst noch im Bundesjugendlager erlebt habe könnt ihr in den nächsten Tagen hier lesen.

Grenzerfahrungen

Während es für die THW-Jüngsten heute in den Erfurter Garten- und Freizeitpark (EGA)  geht, erfahren die Junghelfer heute was es bedeutete einst an der Innerdeutschen Grenze zu wohnen und erfahren dies hautnah an der fast vergessenen Sperranlage der DDR, die Deutschland bis 1990 in zwei Staaten geteilt hatte.

Als wenn auch das Wetter die Düsternis der ehemaligen Grenze beeinflussen will, je näher die Junghelfer der Gedenkstätte Point Alpha nahe Geisa kommen desto bedrückender wird  das Wetter. Der Nebel hängt tief in den Tälern und vom bewölkten Himmel fällt leichter Regen. „Irgendwie passend zu dem komischen Ort hier“ stellt Nico beim Blick aus dem MTW-Fenster auf die bei dem Wetter etwas gruselig wirkende Anlage fest.

Die meisten der Junghelfer wären bei diesem Wetter wohl gerne im Schlafsack geblieben und das Lustempfinden auf eine Gedenkstätte mit Museum wird dadurch auch nicht so sehr gesteigert. Bei der Führung durch das Haus auf der Grenze in dem die Geschichte des Eisernen Vorhanges und der DDR Grenze anhand von Schicksalen der Bevölkerung im ehemaligen Grenzgebiet veranschaulicht werden hören die Junghelfer aber gespannt zu. Für viele ist es fast unbegreiflich, wie ihr Heimatland mit so viel Aufwand und Technik durch so eine Grenzanlage einmal geteilt worden ist

Beim Spaziergang vom Blauen Haus durch die realitätsgetreu nachgebaute Grenze mit meterhohen Zäunen, Minenfeld, Hundelaufanlagen, Selbstschussanlagen und Patrouillenweg mit Wachturm und Bunker Richtung Grenze und ehemaligem US-Stützpunkt herrscht ein angespanntes Schweigen. „So weit sind wir in Geschichte in der Schule  gar nicht gekommen“ stellt Jessy beim Anblick des 4 m hohen Grenzzauns fest.

Im US-Beobachtungsstützpunkt ist die Stimmung dann schlagartig gelöster, interessiert schauen sich die Junghelfer die historischen Militärfahrzeuge an und erfahren in der Ausstellung interessantes über den Fulda GAP. Er bezeichnete die wahrscheinlichste Einmarschrichtung eines durch die Sowjetunion vorgetragenen Angriffes. Aber auch hier ist es fast ein Schock, was bei einem Krieg mitten in Deutschland passiert wäre.

Nachdem die Lunchpakete verdrückt sind, meldet sich plötzlich Berthold Dücker zu Wort. Der Journalist erzählt im Zeitzeugengespräch mit der THW-Jugend Kirchheim unter Teck wie er damals mit 16 Jahren über das Minenfeld aus der DDR nach Westdeutschland geflohen ist um sich seinen Traum zu erfüllen, Journalist zu werden. Und wie er es in Deutschland bis zum Chefredakteure einer Zeitung geschafft und die Stiftung Gedenkstätte Point Alpha gegründet hat. Gebannt lauschen die Junghelfer der Geschichte von Berthold Dücker und stellen ihm allerhand Fragen zur Grenze, zur DDR und zu den Beweggründen seiner Flucht.

Und was tut sich zwischenzeitlich im EGA-Park?

Währenddessen sind die 6 Jüngsten unserer Gruppe zusammen mit den Betreuern Heiko und Martina im EGA-Park angekommen. Gemeinsam wird der Park mit den unzähligen Spielplätzen, Erlebniswelten und Wasserspielen unsicher gemacht. Auf den großen Kletterpyramiden zeigen Senara, Sophie, Rebecca, Lilly, Maxi und Ben ihr Können und testen ihre Grenzen bis zur Erschöpfung aus.

Aber auch den ruhigen Streichelzoo und die gemütliche Bimmelbahn weiß die kleine Gruppe zu schätzen. Nachdem auch hier die Lunchpakete restlos verdrückt sind und sich jeder nochmals ordentlich in seiner Lieblingsattraktion austoben konnte, muss dann leider doch der Heimweg angetreten werden um rechtzeitig zum Abendessen im Bundesjugendlager zu sein.

Goldwaschen an der Schwarza

Wer träumt nicht davon, irgendwo an einem Fluss oder in einer Höhle einmal einen richtigen Nugget (Goldklumpen) zu finden? Und so wollen  die Junghelfer des THW Kirchheim unter Teck heute in der nahegelegenen Schwarza Goldwaschen um sich das Taschengeld und die Jugendkasse etwas aufzufüllen.

Das mit dem Goldwaschen ist allerdings nicht so einfach, den nicht überall liegt einfach so Gold in der Erde oder im Fluss versteckt. Deshalb holt sich die Gruppe für heute Unterstützung vom erfahrenen Goldwäscher Richard Christian Kreibich. Der nimmt die Gruppe am Treffpunkt in Sitzendorf schon voller Tatendrang in Empfang und verkündet: „Bevor es mit dem Goldwaschen losgehen kann, möchte ich euch aber noch zeigen wie die Alten früher Gold gewaschen haben.“

Kurze Zeit später erklimmt ein kleiner Tross die Berge rund um das Tal der Schwarza  auf den schmalen Pfaden, die die früheren Goldsucher angelegt haben. Und tatsächlich finden sich überall an den Hängen, für das ungeübte Auge nicht erkennbar, die Spuren der alten Goldsucher. Immer wieder hält Christian Kreibich an unscheinbaren Stellen an und erzählt von früher als die armen Bauern mühevoll von Hand, auf der Suche nach der goldhaltigen Schicht, Tonnen von Erde bewegt haben, die Säcke voller Sand ins Tal getragen und dann nach der harten Arbeit wenige Krümel Gold aus dem Sand waschen konnten. „Aber wie hart Goldwaschen ist merkt ihr dann auch bald“ meint der originale Goldwäscher und kann sich sein Grinsen nicht verkneifen.

Aber Christian Kreibich weiß nicht nur über das Goldwaschen Bescheid.  Auf dem Rückweg ins Tal erfahren die THWler viel über die Geschichte rund um das Schwarza-Tal, bsw.  wann und warum die Eisenbahn gebaut wurde oder welche Tier und Pflanzenarten hier zu finden sind.

Wir haben Gold gefunden

Zurück im Tal angekommen können es die Nachwuchs-Goldwäscher kaum noch erwarten. Mit Spaten, Schaufeln und Goldwaschpfannen ausgerüstet folgen alle dem Goldwäscher zum Waschplatz in der Schwarza. Hier erklärt Christian Kreibich anschaulich wo Gold zu finden sein könnte. „Nicht in der Mitte der Schwarza, wo im lockeren sauberen Sand einfach gegraben werden kann. Nein, am Ufer unter den großen Steinen müsst ihr graben. Bis ihr dann auf schwarzen dreckigen Sand kommt, den könnt ihr dann waschen.“

Fleißig werden nun überall im erlaubten Bereich kleine Gruben ausgehoben und die Waschpfannen mit Erde, Steinen, Sand und Hoffnung gefüllt. Dann treffen sich die THWler an den flachen Stellen und lernen wie mit den Goldwaschpfannen richtig gearbeitet wird. Und so gibt es unter der Anleitung des Goldwäschers die ersten Funde. Glänzende Glassteine aus Hüttenglas, Erze, Schrott und ja tatsächlich, da ist das erste Goldstück in der Pfanne von Betreuer Alex. Schnell wird das kleine Stückchen eingefangen und weiter geht es.

Nach einigen Stunden haben die Junghelfer einiges gelernt. Goldwaschen ist nicht so einfach wie es im Fernsehen gezeigt wird. Vor allem ist viel Geduld und Ausdauer notwendig um nach der anstrengenden Arbeit ein klein wenig Gold zu bekommen. So kann in der Region rund um die Schwarza an guten Stellen auf 600 Kubikmeter Erde etwa 1 Gramm Gold gefunden werden. Ca. 40€ gäbe es momentan dafür bei  24 Karat Reinheit. Ein magerer Preis für die Schufterei!

Auch wenn die ersehnten Goldberge für das Taschengeld ausgeblieben sind, so nehmen die Junghelfer neben der interessanten Erfahrung und einem Zertifikat, das sie berechtigt sich Goldwäscher zu nennen, schöne Steine, rundgeschliffenes Hüttenglas, Erze und ein wenig Gold aus der Schwarza mit nach Kirchheim unter Teck.  Trotzdem, vom Fund eines Nugget werden sie wohl weiterhin träumen!